300

So, nun hab ich 300 endlich gesehen, und was soll ich sagen…? Den Film „testosterongeschwängert“ zu nennen, ist wohl die Untertreibung des Jahres. Nicht ein einziger Spartaner sieht aus, als hätte er je etwas anderes als Eiweiß und Anabolika gefressen. Man muss sich teilweise ernsthaft fragen, ob da wirklich ein Film auf der Leinwand läuft oder doch eher die Werbung für den Total-Power-XYZ-Bauchtrainer.

Liegt da etwa ein Hauch von Homoerotik in der Luft? Schließlich ist 300 unstreitbar ein Männerfilm – und dann diese ganzen halbnackten Spartaner, deren Körper sogar am Computer nachbearbeitet wurden, zu sehen, das ist doch schon irgendwie komisch. Und erstmal diese Liebesszene mit Leonidas und seiner Frau. Ich meine… die Kamera zeigt für einen kurzen Moment (fast alibimäßig!) die Brüste seiner Frau. Aber Leonidas, ja, der wird in voller Pracht gezeigt, während das Mondlicht seinen Hintern auch noch möglichst imposant in Szene setzt. Nein, 300 ist nicht homoerotisch. 300 ist stockschwul.

Und nervig. Ziemlich nervig sogar. Schon nach Minuten gehen Schreibär Leonidas strunzdämliche Dialogzeilen und seine völlig übertriebenen Mimik (angesichts derer man nur noch darauf wartet, dass sein Gebiss sich verselbstständig und launisch durch die Gegend hüpft) jedem denkenden Menschen auf den Senkel. Ebenso die übrigen Spartaner, die allesamt einfach nur grottenunsympathisch sind. Das Einzige, was den Film für mich noch hätte retten können, wäre eine Wendung in der Story, bei der sich herausstellt, dass über die ganzen Jahre die falschen Babies getötet wurden und Leonidas und seine Anhängsel die wahren Missgeburten sind. Scusi.

„Dann muss dich das Ende ja gefreut haben!“ Nix da! Denn der Film ergreift über die ganze Inszenierung – insbesondere was die Musik angeht – derart penetrant Partei für die Spartaner, dass ich mich nicht einmal an deren Niederlage erfreuen konnte. Das ist es auch, was 300 meines Erachtens zu Propaganda macht: Dass er die Spartaner als faschistisches Volk zeigt, ist ja okay – aber, dass er dann Partei für sie ergreift und sie in kompromisslosester Schwarz-Weiß-Malerei als die „Guten“ darstellt, das ist ganz und gar nicht okay.

Besonders sauer aufgestoßen ist mir folgendes: Der missgebildete Spartaner – das Individuum! – wird nicht zum Verräter, weil er von seinem Volk verstoßen und ungerecht behandelt wird, nein, er wird es aus purer Boshaftigkeit. Schließlich erklärt Leonidas dem Freak zuvor in nachvollziehbarster und allerallerfreundlichster Weise, warum dieser nicht mit in die Schlacht ziehen darf und bietet ihm sogar noch einen Alibijob an – und diese Szene, die ist einfach nur übelste Heuchelei.

Schlimmer noch: In der Szene, wo der Freak und die Spartaner zum ersten Mal aufeinander treffen, bedroht einer der Krieger den Missgebildeten mit seiner Waffe (und das übrigens aus völlig unerklärlichen Gründen!). In dem Moment, wo der Missgebildete zum Verräter wird, stellt sich dem Zuschauer also die Frage, warum der Krieger den Krüppel – das Individuum!!(bitte noch 5 Ausrufungszeichen dazu denken) – in der besagten Szene nicht einfach getötet hat.

Und das ist ja mal richtig ekelhaft.

„Aber der Film will doch nur unterhalten!“ Tja, genau das hat er mich aber nicht. Die Schlachten sind einwandfrei, keine Frage, erstklassig choreographiert und inszeniert. Aber da ich durch die besagten Schwächen vom Leinwandgeschehen extrem distanziert war, konnten mich die Kämpfe überhaupt nicht mitreißen.

Ich für meinen Teil fand 300 jedenfalls durchgehend langweilig und erachte es als eine große Leistung von mir, dass ich bis zum Ende des Films durchgehalten habe, anstatt den Kinosaal vorher zu verlassen. Einen großen Kämpferwillen hat eben nicht nur der knackige Leonidas.

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