Black

Ich erinnere mich noch allzu gut an die Werbung von Black. Keine „rette die Menschheit vor dem Bösen“-Ankündigungen waren da zu hören, keine Zwischensequenzen zu sehen und nicht ein einziger Charakter wurde vorgestellt. Stattdessen bekam man nur einen Raum gezeigt, in dem das gesamte Mobiliar zu Bruch geschossen wurde – fertig. Anschließend wurde noch der Name des Spiels eingeblendet: „Black“. Nicht „Black Zone“, nicht „Black War“. Schlicht und einfach „Black“. Und auch wenn man auf Werbungen normalerweise nicht viel geben sollte: Diese hätte aussagekräftiger nicht seien können.

Black hat – man kann es nicht anders sagen – keinerlei Wiedererkennungswert, nicht einen Funken Individualität. Wo Far Cry Instincts & Co allesamt aufwendig dekorierte Cocktails sind, da wirft Black die Obststücke aus dem Glas, entzieht dem Getränk den Fruchtgehalt und ist letztendlich nur noch der pure Alkohol. In seiner vollkommenen Reduzierung auf das reine Geballer und der grafischen Einheitlichkeit erinnert es gar ein wenig an den Horrorstreifen High Tension, der inhaltlich wie stilistisch ebenfalls bewusst facettenarm daher kam. Dadurch wurden zwar einerseits Brüche vermieden und die Spannung erhöht, andererseits wirkte High Tension aber auch kaum noch wie ein richtiger Film, sondern viel mehr wie eine Art Adrenalin-Tablette aus der Apotheke (falls es sowas gibt). Und Black ist im Prinzip nichts anderes.

Es vergeht in diesem Spiel kaum ein Moment, an dem nicht zig Gegner um euch versammelt sind – überall kracht und schallt es. Eure Deckung wird zerschossen, aufgewirbelter Staub versperrt eure Sicht und explodierende Benzinfässer betäuben euch die Ohren. Ganze Häuser gehen zu Bruch und Innenräume sind nach einer Schießerei derart zerlegt, dass sie selbst von Tine aus „Einsatz in vier Wänden“ nicht mehr gerettet werden könnten. Was sich hier auf der Bildfläche abspielt ist schlicht Wahnsinn und lässt jede Bruckheimer-Produktion steinalt aussehen. Wenn man Black auf einem halbwegs großen Fernseher und mit Dolby-Surround-Anlage spielt, wird man nach einem absolvierten Level erstmal eine Erholungspause benötigen, weil’s einem sonst schlicht zu viel wird.

Man merkt diesem Spiel einfach an, dass es aus den Händen von Criterion stammt – den Leuten, die auch für Burnout, einen der wohl schnellsten Racer aller Zeiten, verantwortlich sind. Und wo schon Burnout mehr oder weniger eine einzige Adrenalin-Tablette war, da bietet Black den gleichen Inhaltsstoff in (Schieß-)Pulver-Form. Dieses Spiel hat keine Seele, aber es will auch gar keine Seele. Hat sie ganz bewusst an den Teufel verkauft. Will nur *Peng*, *Boom* und *Kabuff* – und erfüllt fast alle Ansprüche an sich selbst.

Fast, weil Black zum Ende hin mehr und mehr an Intensität einbüßt. Wie bereits beschrieben, ist der Titel spielerisch und stilistisch sehr einheitlich konzipiert, wodurch den Entwicklern in ihrer Kreativität sicherlich engere Schranken gesetzt sind als es bei den meisten anderen Ego-Shootern der Fall ist. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Einschränkung stecken in Black noch immer zu wenig Ideen. Jeder Kampf läuft hier prinzipiell nach dem gleichen Schema ab: Sind die Gegner noch in weiter ferne, schießt ihr sie aus sicherer Distanz mit dem Maschinen- oder Scharfschützengewehr ab. Kommen die Widersacher näher, werft ihr wild mit Granaten um euch oder schießt auf Benzinfässer und andere explosive Dinge. Abwechslung bringen lediglich die Mienenfelder und Feinde, die sich mit einem Raketenwerfer irgendwo in einem Hochhaus verschanzt haben. Doch auch diese Spielsituationen wiederholen sich zu oft, so dass Black sogar noch vor Ablauf seiner kurzen Spieldauer von grob geschätzten 6h (fast) die Puste ausgeht.

Doch auch wenn Criterions Ballerorgie zum Vollpreis vielleicht ein bisschen zu wenig bietet – für Leute die sich über’s Wochende gerne mal einen Shooter aus der Videothek mitnehmen, gibt es kaum ein empfehlenswerteres Spiel.

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2 Responses to Black

  1. jetsetradio sagt:

    Gihihi, jetzt haste auch einen Blog ;)
    Ich hoffe du verlinkst meine Seite sofort :D
    Außerdem werd ich mir Mühe geben deinen Blog mit sinnlosen Kommentaren zuzuspammen :)

  2. dickbigmac sagt:

    Seit wann kommentierst DU überhaupt was??

    Das ist MEIN Job, du… du… ÖSI! :)

    BTW, nettes Review. +

    ;P

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